Aktuelle Einschätzung zur Krise des Euroraums

Ausblick auf die Kapitalmärkte

Der Fokus der internationalen Finanzmärkte richtet sich zurzeit stark auf die Stabilität der europäischen Gemeinschaftswährung. Für Griechenland wurde ein Rettungspaket durch EU und IWF geschnürt, da das Land am Kapitalmarkt kein Geld mehr aufnehmen konnte. Auch Portugal und Spanien litten unter steigenden Risikoprämien für ihre Kredite.

Vorläufiger Höhepunkt war dann am 9. Mai 2010 der 750-Mrd-Euro-Rettungsschirm für die gesamt Eurozone, ebenfalls unter Beteiligung des IWF, sowie der Ankauf griechischer Staatsanleihen durch die EZB. Zu diesen Maßnahmen sahen sich EUFinanzminister und EZB gezwungen, nachdem der Euro zu allen wichtigen Währungen der Welt deutlich an Wert eingebüßt und sich die Refinanzierung der südeuropäischen Staaten extrem verteuert hatte. Diese Stabilität wurde erkauft durch einen Vertrauensverlust der EZB als Hüterin der Währung: 1 Woche später steht der EUR/USD-Wechselkurs ca. 3% tiefer als vor dem Rettungspaket.

Fazit: Ein Wirtschafts- und Währungsraum bestehend aus 17 Ländern ohne eine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik ist dauerhaft nicht praktikabel.

Europa muss sparen! Wenn auch nicht im gleichen Umfang wie Griechenland, so ist doch klar zu erkennen (und zunehmend von der Politik thematisiert), dass die Staaten der Eurozone ihre Haushalte konsolidieren müssen. Und das wird in den kommenden Jahren unseres Erachtens nicht allein über Ausgabenkürzungen sondern auch über höhere Steuern geschehen.

Die Auswirkungen:

  • Die Zinsen werden – auch durch politischen Druck – deutlich länger auf tiefem Niveau verharren.
  • Der Euro wird schwächer.
  • Das Inflationsrisiko wächst wegen höherer Toleranz der Notenbanken und steigender Importpreise.
  • Exporte in Länder außerhalb des Euroraums profitieren.
  • Die Binnennachfrage im Euroraum leidet.

Wie sollte sich der Anleger verhalten?

1. Aktien
Die aktuelle Verunsicherung kann temporäre Rückschläge an den Aktienmärkten verursachen, diese sollten jedoch genutzt werden, um dividendenstarke Aktien, deutsche Industriewerte mit starkem Exportgeschäft sowie Schwellenländer- und Rohstofffonds als Sachwertanlage aufzunehmen, zudem stützt das niedrige Zinsniveau. Langfristiger Inflationsschutz.

2. Renten
Rentenpapiere profitieren zurzeit noch durch Ihren Ruf als „sicherer Hafen“ und sind bei weiterhin tiefen Zinsen stabil. Bei steigenden Inflationserwartungen sind sie jedoch gefährdet, da hohe Mittelabflüsse durch Umschichtung in andere Anlageklassen drohen.

3. Gold
Der Goldpreis profitiert als klassische Krisenwährung. Auf dem jetzigen Niveau empfehlen wir jedoch, direkte Goldkäufe zurückzustellen und Goldaktien zu bevorzugen. Kurzfristig werden Rückschläge wahrscheinlicher, langfristig bietet Gold Inflationsschutz.


Alle Investitionen sollten auf die veränderten Bedingungen hin überprüft werden. Eine Diversifizierung aus dem Euro heraus in Regionen mit geringerer Verschuldung und wachsender Bevölkerung ist wichtig, ohne jedoch auch die Chancen einer Euroschwäche für deutsche Unternehmen außer Acht zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen
DKS Vermögensverwalter GmbH
Bonn, 19. Mail 2010